
Prozessoptimierung in der Kalamitätsholz Supply Chain
Luca Kiener und Prof. Dr. Artur Petkau – Professur für Forstökonomie und Forstbetriebsmanagement, Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg
Anhaltende klimatische Veränderungen verschärfen die Borkenkäferproblematik in den süddeutschen Wäldern erheblich: steigende Temperaturen und zunehmende Trockenperioden fördern die Vermehrung und Ausbreitung des Borkenkäfers. Um großflächige Schäden zu verhindern, ist es notwendig, die Befallsherde rasch zu finden, das Kalamitätsholz schnell aufzuarbeiten und abzufahren – noch bevor die nächste Käfergeneration ausfliegt.
Dabei stehen Waldbauern, Kommunen und Forstbetriebe vor vielfältigen Herausforderungen. Eine erfolgreiche Bewältigung von Kalamitäten hängt – gerade in Zeiten angespannter Holzmärkte und begrenzt verfügbarer Arbeitskapazitäten – von der Zusammenarbeit und Kooperation der unterschiedlichen Akteure ab.
Das Arbeitspaket entwickelt gemeinsam mit Praxispartnern neue Wege und Ansätze, um die Prozesse der Kalamitätsholzbereitstellung effizienter zu gestalten. Dabei soll ein Best-Practice-Modell des Prozessmanagements erarbeitet und evaluiert werden, welches auch auf andere Regionen mit ähnlichen Herausforderungen anwendbar ist.
Zugleich wird die Bedeutung der forstlichen Förderung für diese Prozesse beleuchtet. Fördermaßnahmen des Teil F der Förderung für Nachhaltige Waldwirtschaft werden in Bezug auf ihre Wirksamkeit in unterschiedlichen Szenarien priorisiert und Anregungen zur Weiterentwicklung der Förderung mit den Projektpartnern aus Praxis und Verwaltung entwickelt und evaluiert.
Warum ist das wichtig? In Krisenzeiten entscheidet schnelle Koordination über Werterhalt und Waldgesundheit. Digitale Werkzeuge sowie staatliche Fördermaßnahmen oder Anreizinstrumente können Waldbesitzende dabei unterstützen, auch bei großen Schadholzmengen handlungsfähig zu bleiben.
Hauptziele
- Waldbesitzübergreifende Prozessoptimierung
- Stärkung der Kooperationsstrukturen
- Evaluation des Teil-F NWW
- Erprobung neu strukturierter und praxisorientierter Förderinstrumente
- Stabilisierung waldschutzwirksamer Prozessketten
- Erprobung neuer Arbeitsverfahren im Realbetrieb
- Praxisorientierte Forschung in enger Zusammenarbeit mit Waldbesitzern, der Forstverwaltung und den örtlichen Forstbetrieben
Konkrete Ergebnisse
Gemeinsam mit den Praxispartnern der Modellregion „hinteres Renchtal" werden bestehende Arbeitsabläufe und Verfahren im Borkenkäfermanagement analysiert, hinterfragt und waldbesitzübergreifend weiterentwickelt. Dabei werden lokale Akteure ebenso an den Forschungs- und Entwicklungsprozessen beteiligt wie die Förderexpertise der Forst- und Naturschutzverwaltung. Der Fokus liegt stets auf den Prozessen zur waldschutzwirksamen Bereitstellung von Kalamitätsholz – vom Monitoring über die Schadholzaufarbeitung bis hin zur Holzabfuhr.
- Kosteneffiziente und technologieoffene Weiterentwicklung von Förderinstrumenten
- Pilotstudie über den Einsatz von Drohnen im aktiven Borkenkäfermonitoring
- Praxiserprobung der Plattform deadtrees.earth als Werkzeug für die KI-basierte Auswertung von Drohnendaten zur Borkenkäferprävention
Für Waldbesitzende, Forstverwaltungen und Betriebe bedeutet das: weniger organisatorischer Aufwand, klarere Zuständigkeiten und mehr Flexibilität – besonders in Krisenzeiten mit hohen Schadholzmengen.
Integration und Ausblick
Durch das Projekt werden die Akteure der Holzbereitstellungsprozesse für Kalamitätsholz aus dem Privat- und Kommunalwald bei der Entwicklung organisatorischer und technischer Innovationen unterstützt und in ihrem Changemanagement begleitet. Die forstliche Förderung zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels wird – auch in der Nähe von Großschutzgebieten – weiterentwickelt.
Die entwickelten Modelle, Verfahren und Tools werden in Workshops vorgestellt und stehen als übertragbare Vorlagen für andere Regionen zur Verfügung.